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"Liebe im Herzen, bittere Schmerzen"

Geschrieben von schinnerlda on Oktober 2, 2014

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Deutsches Abstract:

"Liebe im Herzen, bittere Schmerzen" -

György Kurtágs Affinität zu ungarischer Folklore

(Karin Wagner)

György Kurtágs Acht Klavierstücke op. 3 (1960) weisen Charakteristika auf, die für den Folgestil des Komponisten von Bedeutung waren. Neben Ostinato- und Hoquetus-Techniken, diatonischen und pentatonischen Skalen sowie Kanon-Techniken entwickelte Kurtág damals auch eine Spielart, mit welcher er den Klang des Zimbaloms imitierte. Auf diese Weise wendete er sich autochthoner ungarischer Folklore zu. Kontinuität von Tradition ist in Kurtágs Klaviermusik wichtig: So ist Bartóks Ästhetik immer wieder präsent; sei es durch Kompositionsprinzipien (Goldener Schnitt, Fibonacci Reihe, Alpha-Akkorde) oder durch den Bezug zur Folklore. In Játékok I widmet Kurtág seinem Idol ein 9-taktiges Stück (Hommage à Bartók): Eine schlichte Kombination von Symmetrien und folkloristischen Rhythmen. Dies kann auch als "Resümee" des Streichquartetts op. 1 (1959) bezeichnet werden, wo Bartóks "Brückenform", Symmetrien und Rhythmen der ungarischen Folklore stilbildend sind. Mit dem Modell "Sirató" und dem Topos "Lamento" weist Kurtág ebenso auf seine Heimat hin. Der zentrale Gedanke dieser rituellen Gesänge und ihre Abwandlungen werden zu bedeutenden Bezugspunkten in Kurtágs Instrumentalmusik und fungieren in Játékok als idiomatische Konstanten. Eine weitere Möglichkeit, ungarische Folklore auszudrücken, ist die Spielart des "Parlando", so, wie sie in Liebe im Herzen, bittere Schmerzen (Játékok III) Anwendung findet: Der Gesang und das Flötenspiel eines alten Bauern inspirierten György Kurtág zu dieser subtilen Miniatur.

Lesen Sie hier den Originaltext in Englisch:

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Karin_Wagner_Artikel_“Adoration, adoration, accursed desolation...”.pdf

Karin_Wagner_Artikel_Oslo_Fußnoten.pdf